Für den Transport eines Härtsfeldbewohners in zivilisierte, tieferliegende Regionen gibt es mehrere Möglichkeiten:

Zu Fuß:

Diese Möglichkeit ist die am wenigsten kostenintensive, jedoch gleichzeitig auch die zeitaufwendigste (ca. 2 Stunden für die einfache Strecke Ebnat – Aalen, wenn wir einmal Ebnat, die „Perle des Härtsfeld“, als eine für diese Landstriche typische Ortschaft ansehen wollen).

Mit dem Fahrrad:

Für Bewohner der Randregionen des Härtsfelds („Vorderes Härtsfeld“) ist diese Möglichkeit durchaus praktikabel. Voraussetzung sind gute Bremsen (für den Hinweg) und gute Lungen (für den Rückweg).

Mit dem Flugzeug:

Der Verkehrsknotenpunkt Elchingen mit seiner hervorragend ausgebauten Luftverkehrsinfrastruktur böte hier einen hervorragenden Ausgangspunkt. Aufgrund der Unbeweglichkeit des Aalener Betonkopfbürokratenestablishments wird jedoch unverständlicherweise der Bau von geeigneten Landebahnen bzw. die Freigabe von im Prinzip dafür gut geeigneten Gebäudedächern als Helikopterlandeplätze bis auf den Sanktnimmerleinstag hinausgezögert. Wahrlich ein Armutszeugnnis.

Individualverkehr (Auto):

Dieses Verkehrsmittel bietet unbestreitbare Vorteile. Problematisch ist hierbei nur, dass für die Benutzung eines Autos von den dafür zuständigen Behörden eine gültige Fahrerlaubnis gefordert wird (wenn man sich nicht auf elektrische Krankentransportgefährte [Elektro-Rollstuhl] beschränken will). Dieses auch Führerschein genannte Dokument ist jedoch im Regelfall nur für Personen erhältlich, die ihr achtzehntes Lebensjahr vollendet haben, und auch für diese unpraktischerweise nicht automatisch, sondern nur nach Bestehen eines seltsamen Aufnahmerituals unter Aufsicht eines erhabenen Gesandten der „TÜV“-Glaubensgemeinschaft. Wenn man sich geschickt anstellt, darf man an diesem Ritual nach zwei Wochen sogar noch einmal teilnehmen; wenn man einen besonders guten Draht zum TÜV-Guru hat, sogar noch ein drittes Mal. Danach wird man vermutlich aufgrund der bis dahin gesammelten Erfahrung selber zum TÜV-Guru geweiht.

Unverständlich ist weiterhin, dass dieselben Apparatschiks der Gemeindeverwaltung, die sich so vehement dem Luftverkehr entgegenstellen, anscheinend ebensowenig gewillt sind, wundbare, weite Betonflächen (Schulhöfe, etc.) als Parkmöglichkeit freizugeben.

Auf dem Wasserweg:

Bis zum Bau von geeigneten Kanälen ist das Härtsfeld (außer zur jährlich im Frühling stattfindenden Schneeschmelze) nicht schiffbar.

Für die Unglücklichen, denen aufgrund ihres Alters, ihrer körperlichen Verfassung, ihrer sozialen Stellung oder ihrer momentanen finanziellen Situation keine der oben angeführten Möglichkeiten offensteht, haben sich der Teufel, die SPD, die Gewerkschaften, die Werbeagentur von Ferrero und die restlichen dunklen Mächte der Erde sozusagen als „ultima ratio“ eine letzte Möglichkeit einfallen lassen:

ÖPNV (Bus):

In letzter Zeit sollen sich nach Berichten einiger wagemutiger Untergrundpassagiere beispielsweise folgende Ereignisse zugetragen haben (, die von den meisten Fahrgästen als gottgegeben hingenommen werden):

– Unter dem fadenscheinigen Vorwand, ein LKW habe sich auf der nach plözlichem Wintereinbruch verschneiten Himmlinger Steige quergestellt, verbunden mit der ziemlich perfekten Illusion eines tatsächlich querstehenden LKW, werden die Fahrgäste vor die Wahl gestellt, entweder zwei Stunden zu warten oder sich für einen Teil der Strecke zu Fuß durch den gefährlichen hohen Schnee zu kämpfen. Als „Entschädigung“ werden die Buspassagiere dafür danach mit auf eine ausgedehnte Fahrt über das winterlich verschneite Härtsfeld genommen, unabhängig davon, ob sie das jetzt eigentlich wollen oder nicht.

– Die einschlägige Berufserfahrung einiger Chauffeure aus der Fischkonservenindustrie bedingt periodisch auftretende Experimente, wie viele Passagiere für die Dauer einer durchschnittlichen Busfahrt in einem Bus gepfercht werden können, wobei Verluste durch Ersticken, Hitzschlag oder innere Quetschungen nach Möglichkeit vermieden werden sollten. Legendär ist der Fall des herkömmlichen Kastenbusses, der – auf der Strecke Neresheim – Elchingen – Ebnat als einziger Bus eingesetzt – immerhin auf etwa 120 Insassen kam. Durch psychologisch zermürbende Ansagen des Busfahrers nach dem Muster „Bitte weiter nach hinten durchgehen“, die ständig monoton und meistens mit einem unverkennbaren osteuropäischen Akzent vorgetragen werden, wird der innere Widerstand der Fahrgäste gebrochen.

– Ein weiteres beliebtes Experiment ist es, festzustellen, wie lange der durchschnittliche Fahrgast an der Haltestelle auf seinen Bus zu warten bereit ist, bevor er schließlich frustriert nach Hause zurückgeht oder versucht, einen Aufstand unter den restlichen Wartenden anzuzetteln.

– Busfahrer werden offenbar in zwielichtigen Hafenkneipen rekrutiert; anders ist die teilweise offenkundige Ortsunkenntnis einiger Fahrer nicht zu erklären (nicht einmal wichtige weiterführende Bildungseinrichtungen werden gefunden). Eine Möglichkeit der Manipulation der Fahrtroute durch böswillige Fahrgäste ist dadurch gegeben, dass sich der Fahrer mmitunter bei einem Fahrgast erkundigt, wohin er den fahren muss.

Für Unverständnis bei einigen Elchinger Fahrgästen sorgte auch der Fahrer, der nach Erhalt einer Funknachricht einige Kraftausdrücke ausstieß und eröffnete, dass er nochmal zurück nach Neresheim fahren müsse und die Fahrgäste daher besser nochmal aussteigen sollten. („Scheiße, muss zurück nach Neresheim“, wiederum mit leicht slawischem Akzent vorzustellen).

– Das mangelnde (psychologische) Berufstraining der Fahrer führt notgedrungen zu gewissen Überreaktionen gegenüber potentiellen Fahrgästen, sogar schon zu kleinen Kindern, wie der folgende Gesprächsauszug belegt:

Fahrgast: „Fahret Sie Oala?“

Busfahrer: „Nein, Paris…“

Beliebt unter Busfahrern scheint auch folgendes Spiel zu sein: Man nähert sich mit niedriger Geschwindigkeit ungeduldig wartenden Fahrästen, um sie dann dazu zu bewegen, sich zum Einsteigen bereit zu machen, um dann im letzten Moment in eine Seitestrasse einzubiegen und umzudrehen.

– Der Fahrzeugpark zeigt aufgrund der extremen Belastungen Anzeichen von Materialermüdung. Busse geben kurz vor Erreichen ihres Zieles plötzlich den Geist auf; Busse müssen kurz nach Verlassen des Betriebshofs wegen leichtem Brandgeruch umkehren; Busse müssen wegen einem Defekt im ersten Gang bei Standgas die Ebnater Steige hochzuckeln. Im Gegenzug wird versucht, die Fahrgäste durch übertriebene Sauberkeit der Busse zu besänftigen („Wir fahren jetzt zurück zum Betriebshof, mein Bus ist zu dreckig“).

– Falsche Einschätzung des Wendekreises eines Gelenkbusses führt zum Versuch eines Busfahrers, zusammen mit einigen Fahrgästen einen im Weg befindlichen Kleinwagen wegzuschieben.

– Die bereits oben erwähnten Härtsfeld-Sightseeing-Touren werden seit einiger Zeit nicht mehr nur zur Besänftigung aufgebrachter Fahrgäste angeboten, sondern locker in den Standardfahrplan eingestreut. So lernt auch der geographisch eher unbedarfte Härtsfelder malerische Siedlungen wie Simmisweiler, Arlesberg oder Bernlohe kennen, was dem Busunternehmen eigentlich positiv angerechnet werden müsste, da sie so einen Beitrag zur Weiterbildung der Fahrgäste leistet. Dennoch regt sich bei solchen Gelegenheiten immer wieder Unmut unter den Fahrgästen.

Weiterführende Recherchen sind aufgrund der Brisanz des Themas als eher riskant einzustufen. Da wir als Verfasser dieses Berichts außerdem Repressalien seitens der Busfirma zu befürchten haben dürften, bitten wir nach Veröffentlichung um Aufnahme in ein Zeugenschutzprogramm und/oder Versetzung in eine andere Region.

(erstmals veröffentlicht: April 1999)

 Antworten

   
Impressum Suffusion theme by Sayontan Sinha